Interview
Sarah Pollinger –
Inhaberin der Vetzgerei | Interview
„Nachhaltigkeit und Regionalität sind uns sehr wichtig. Deswegen sind wir zum Beispiel biozertifiziert und suchen nach regionalen Lieferanten. Auf Fleisch verzichten, dann aber Soja aus Intensivlandwirtschaft in Brasilien zu kaufen, ist ja auch irgendwie blöd.“
Paul und Sarah Pollinger

Kontakt

Die Vetzgerei
Raumerstraße 36
10437 Berlin
Interview
Vegane Restaurants und Cafés haben wir in Berlin glücklicherweise einige, doch deutsche Hausmannskost befindet sich selten im Angebot. Wie kamt ihr auf die Idee?
Weil uns genau das gefehlt hat. Zwar gab es schon einige Fleisch-Ersatzprodukte, aber in der Regel nur abgepackt aus der Fabrik und leider meistens nicht mal gut. Die Vetzgerei legt deswegen Wert auf die persönliche Beratung und frische Produkte. Außerdem machen wir keine Wurst-Sorten nach, sondern alle Rezepte sind Eigenkreationen.
Welches Publikum besucht eure Vetzgerei?
Sehr jung bis sehr alt und vom Allesesser bis zum Veganer. Unser Ziel war immer ein echter Kiezladen für den täglichen Einkauf für alle Menschen, die drumherum wohnen. Kein exklusiver Vegan-Hype-Laden. Aber wir freuen uns natürlich auch sehr über alle anderen Kunden und auch dass wir mittlerweile auf der Berlin-Vegan-Route sind.
Gab es schon die Situation, dass sich Nicht-Veganer auf der Suche nach Fleisch in eure Vetzgerei verirrten? Wie gehen solche Begegnungen aus?
Ja, das gab es schon. Einige wussten wahrscheinlich bis zum Schluss nicht, dass wir nur rein pflanzliche Produkte verkaufen.

Das Verrückteste war ein längeres Gespräch über Rehrücken.
In den letzten Jahren erlebten die Themen Nachhaltigkeit und Regionalität einen wichtigen Wandel. Wie wichtig sind euch diese Aspekte bei euren Speisen?
Nachhaltigkeit und Regionalität sind uns sehr wichtig. Deswegen sind wir zum Beispiel biozertifiziert und suchen nach regionalen Lieferanten. Auf Fleisch verzichten, dann aber Soja aus Intensivlandwirtschaft in Brasilien zu kaufen, ist ja auch irgendwie blöd.
„Viele Fitness-Veganer lassen sich wahrscheinlich schnell wieder zum Fleisch bringen.“
Ihr veranstaltet auch Workshops – was können Teilnehmer dabei lernen?
In unseren Workshops können die Teilnehmer zum Beispiel lernen, wie man Gemüse durch Einkochen oder Fermentieren haltbar macht oder auch wie man sich selbst einen leckeren veganen Aufschnitt macht. Es geht dabei vor allem darum, das Bewusstsein für Handwerk und die Wertschätzung von Lebensmitteln zu wecken bzw. zu stärken. Coronabedingt können wir allerdings zur Zeit leider keine Workshops durchführen.
Was denkt ihr: Werden Menschen in 100 Jahren noch Fleisch essen?
Ich denke, die Chancen stehen 50:50. Viele Fitness-Veganer lassen sich wahrscheinlich schnell wieder zum Fleisch bringen, wenn es wieder als „gesünder“ gilt. Wir sollten aber alle hoffen, dass wir in 100 Jahren echtes Fleisch ganz ohne Tiere produzieren können.
Da Naturparadiese in Berlin und Umgebung eines unserer Steckenpferde sind, fragen wir unsere Interviewpartner abschließend immer nach einem sehenswerten Ort in der heimischen Natur. Habt ihr solch einen persönlichen Lieblingsort?
Unseren kleinen Garten. 🙂 Wir haben das Glück eine Wohnung in Berlin mit einem kleinen Garten gefunden zu haben.

Fotos: Die Vetzgerei
Wir bedanken uns vielmals bei Sarah Pollinger für das freundliche Gespräch und wünschen weiterhin alles Gute für die Zukunft!

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