MURELLENSCHLUCHT
Hallo, ist hier jemand?

Die Murellenschlucht in Charlottenburg-Wilmersdorf

Ooommmmm. Tief durchatmen. Es gibt Orte in Berlin, um die versuchen wir einen großen Bogen zu machen. Die immervolle Heerstraße in Spandau ist einer davon. Doch nun stehen wir hier, Freitagmittag, und werden von einer Dame jenseits der 90 überholt – zu Fuß. Auf dem Navi sehen wir das Olympiastadion, direkt daneben einen riesigen, grünen Fleck namens „Murellenschlucht“. Geschätzte Fahrzeit: 2 Minuten. Natur, oder Stau – Natur, oder Stau? Nach kurzem abwägen steht die Entscheidung und wir setzen den Blinker.

Die Murellenschlucht ist eine äußerst hügelige Landschaft mit Waldcharakter und unheimlich still. Wir vermuten es liegt am Grunewald, der nur knapp einen Kilometer entfernt ist und nun mal einfach die erste Wahl der Berliner ist. Fakt ist, wir haben in über 2 Stunden Aufenthalt, genau einen einzigen Menschen gesehen!

40 Hektar Stille

Aufgrund der Beschaffenheit steht die Murellenschlucht in vielen Wanderführern und ist definitiv nichts für lauffaule Leute. Die bis zu 62 Meter hohen Hügel sind über Spazierwege zu erreichen und gehen erstaunlich steil hinab. Die tief eingeschnittenen Talkessel sind wahre Schluchten und bieten einen spannenden Blick. Große Trockenrasenbereiche sind der ideale Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten, die vielerorts schon ausgestorben sind. Vor allem im Sommer erlebt man hier ein echtes Blütenfest, wenn die Strohblumen mit den Sandglöckchen um die Wette blühen. Auf den Wiesen schwirren schöne Schmetterlinge, Honigbienen und große Hummeln. Ein junger Fuchs schlendert ungestört am Murellenteich entlang und scheint sichtlich verwundert als er uns sieht. Menschen begegnen ihm hier wohl sonst nicht.

Auf einem langen Wall schauen wir über eine sehr große Freifläche, die umrandet von hohen Bäumen ist. Dieser Bereich ist die sogenannte Alte Schießbahn und diente lange Zeit dem Militär als Übungsgelände. Durch diese Abschottung konnte sich die Murellenschlucht nahezu ungestört zu einem der naturreichsten Gebieten Berlins entwickeln.

Trotz all der Schönheit darf man die dunkle Geschichte des Naturschutzgebiets nicht unerwähnt lassen. Ein Mahnmal aus insgesamt 104 Verkehrsspiegeln im südlichen Teil des Waldes führt zu dem wahrscheinlich authentischsten Ort, den das NS-Regime im Zweiten Weltkrieg als Hinrichtungsstätte nutzte.

Wie komme ich zur Murellenschlucht?

FAKTEN

Berlin – Westend
Größe: 40 Hektar
Parkplatz: Glockenturmstraße – 52.513540, 13.226961


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