Bienen halten in der Stadt – geht das? Inklusive Experten-Interview

Bienen halten in der Stadt – geht das überhaupt? Ja, und zwar besser als man denkt. Großstädte bieten Honigbienen meist sogar mehr Nahrungsquellen, als es das Land schafft. Parkanlagen, Balkone, Kleingärten, Friedhöfe und viele weitere begrünte Flächen sorgen für jede Menge Abwechslung und genügend Raum für bestäubende Insekten. Das wärmere Klima in der Stadt beschert ihnen außerdem längere Flugtage, an denen sie zusätzlich Pollen und Nektar sammeln können.
Dass es in Berlin so bunt und naturreich zugeht, ist also nicht nur ein großes Glück für uns, sondern auch für die Honigbiene. Ein weiterer Vorteil ist, dass es in der Stadt kaum Monokulturen gibt und zudem weitaus weniger Pestizide verwendet werden. Bei Monokulturen wird auf landwirtschaftlichen Großflächen ausschließlich eine Pflanzenart angebaut, wie zum Beispiel Mais oder Raps. Die einfache Pflege und höhere Erträge sind oft Grund für solche Felder. Diese Bewirtschaftungsform ist allerdings besonders anfällig für Schädlinge, wodurch häufig für Bienen giftige und gesundheitlich schädigende Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Zu den bereits genannten Nachteilen kommt, dass die Felder nur ein saisonales Dasein haben und den Bestäubern nach der Ernte abrupt eine Nahrungsquelle fehlt. Die Honigbienen können aufgrund dessen nicht genug Pollen und Nektar für den Winter sammeln.
Ohne geht nicht! Der Wert der Honigbiene
Urban Beekeeping ist nicht zuletzt aus diesen Gründen zu einem Trend geworden. Allein in Berlin sind derzeit ca. 1300 Imkerinnen und Imker in 16 Vereinen organisiert. Doch Stadtimker stellen mit ihren Honigbienen nicht nur flüssiges Gold her, sondern leisten vielmehr einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der blühenden und fruchtenden Stadtnatur. Denn eins ist unlängst jedem klar: Wir Menschen sind auf die Biene angewiesen! Honigbienen zählen zu den wichtigsten Nutztieren und bestäuben rund 80% der Wild- und Nutzpflanzen. Sie sind maßgeblich an der Vermehrung der Pflanzenwelt beteiligt und für das Ökosystem unverzichtbar. Der Ertrag und vor allem die Qualität von notwendigen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Nüssen, hängt letztendlich von den hart arbeitenden Bienenvölkern ab, die wir mit einfachen Mitteln bei ihrer Arbeit unterstützen können. Ein paar Mal weniger rasenmähen im Jahr, den Balkon bepflanzen oder eine buntblühende Wildblumenwiese anstelle eines Steingartens, sind simple Veränderungen, die eine wichtige Nahrungsquelle für eure benachbarten Bienenvölker werden können.

Interview – Imkerverband Berlin e. V.
Wir freuen uns sehr, dass Birgit Otto vom Imkerverband Berlin e. V. für ein Interview zur Verfügung stand und mit uns über die Herausforderungen für Berliner Imker:innen, den Klimawandel und das Bienensterben gesprochen hat.

Was ist die größte Herausforderung für Imker:innen in Berlin?

  • Eine friedliche Bienenrasse zu halten.
  • Tiergerechte Haltung der Bienenvölker in der Stadt mit speziellen Bienenstandorten – z.B. auf Dächern und mitten in der Stadt.
  • Durch die hohe Bienendichte in der Stadt (ca. 9 Völker/ km²) die Gesundheit der Bienen – so gut es mit den bekannten Maßnahmen möglich  ist – zu gewährleisten, insbesondere um Seuchenausbrüche schnell und effektiv einzudämmen.
  • Neuimker besonders gut und umfassend für die Bienenhaltung zu qualifizieren – attraktive Ausbildungs- und Kursangebote anzubieten.

Hat der Klimawandel einen Einfluss auf die Bienenwelt?

Ganz sicher. Die milden Winter und die heißen trockenen Sommer führen zu verändertem Verhalten in den Bienenvölkern, z.B. brüten die Bienen vermehrt auch im Winter durch und machen keine Brutpausen. Dieses wirkt sich vielseitig auf die weiteren Entwicklungen des Volkes aus. Die phänologische Entwicklung der Pflanzen verändert sich, z.B. blühen Nahrungspflanzen viel früher und kürzer als in der Vergangenheit und stehen u.U. als Nahrung nur noch bedingt zur Verfügung.

Ist das Bienensterben auch in der Großstadt ein Thema?

Klargestellt werden muss an dieser Stelle, dass es sich bei dem genutzten Begriff „Bienensterben“ nicht um das „Honigbienensterben“ handelt,  sondern um den Rückgang der Wildbienenpopulationen durch verschiedene Einflüsse wie z.B. Wegfall von Nahrungsangeboten, Nistangeboten etc.

Der Bestand der Honigbienen ist nach wie vor nicht gefährdet, solange es Imker gibt, die sich um sie kümmern. Sollte es doch zu Verlusten von Völkern kommen, kann durch imkerliches Handeln der Bestand schnell wieder vergrößert werden.

Man kann sagen, dass jedem Imker neben dem Wohl seiner Honigbienen, auch das Wohl der Wildbienen und -insekten am Herzen liegt und er, mit dem Wissen der Bedürfnisse der Wildinsekten (nicht in Staaten lebend) seinen Möglichkeiten entsprechend versucht, die vorherrschenden,  ungünstigen Umstände mit geeigneten Maßnahmen zu entschärfen. Es werden in Imkervereinen und Kleingartenvereinen dafür gezielte Kampagnen durchgeführt.

Welche Vorteile haben Imker:innen durch die Mitgliedschaft im Imkerverband Berlin e. V.?

  • Unterstützung in Schadensfällen, Versicherungen für Unfall beim Imkern, Diebstahl, Vandalismus etc.
  • Immer aktuelle Informationen, die Imkerei betreffend  durch den Verband und unserem Dachverband „Deutscher Imkerbund e.V“ (D.I.B.).
  • Unterstützung bei der Vermarktung der Imkereiprodukte durch Bereitstellung von Werbe- und Vertriebsmaterialien.
  • Exklusive Fortbildungsangebote für Vereine, Mitglieder und Vereinsvorstände durch Verband und D.I.B.
  • Schnelle Verbreitung von Informationen und wissenschaftlichen Ergebnissen aus den Bieneninstituten Deutschlands und deren Auswirkungen auf die Imkerei.

Wie bienenfreundlich ist dein Garten?
Wir laden dich herzlich ein, diesen Selbsttest, der im Rahmen eines Bienenschutzprojektes der Leuphana Universität Lüneburg entstanden ist, zu machen. Du erfährst nicht nur, wie bienenfreundlich dein Garten ist, sondern bekommst unter anderem auch Handlungsempfehlungen und Informationen zu Pflanzen, die bei Bienen beliebt sind.

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